H&B

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Groovejazz ... und der Name ist Programm: Schlagzeug und Tubax treiben  vier Bläser vor sich her. Gemeinsam machen sie sich lustvoll an coole  Klassiker von den Bee Gees, Cannonball Adderley, Sting, Ray Charles und  Miles Davis. Einen Teil des Sex Appeals macht genau diese konstrastreiche Setliste aus - die Band ohne Gitarre oder Tasteninstrument reiht gefühlsechten Pop an eleganten Bebop und es  klingt immer melodiensatt und betörend anders. Letzteres wegen des  ungewöhnlichen Bass-Instruments: Das Tubax tönt archaisch wie ein  röhrender Tyrannosaurus Rex und gibt Ladwig's HORNS & BEAT den unerhörten Groove. Mit Lukas Gallati (tp, flh), Benjamin Engel (as, ss),  Wolfgang Eisele (ts), Stefan Christinger (brs, fl), Martin Deufel (dr) + Uwe  Ladwig (tbx).
Schwarzwälder Bote (Manfred Plog) 11.03.2020: "Jazz soll Spaß machen". So lautete das Credo des afro-amerikanischen Altsaxofonisten und Bandleaders Cannonball Adderley. Sein vom Gospel geprägter Soul-Jazz strahlte schwarzes Selbstbewusstsein, Vitalität und Lebensfreude aus. Wie mitreißend und lebendig auch heutzutage sein musikalisches Vermächtnis sind, machte beim Jazz-Club im Balinger Zollernschloss Uwe Ladwigs Formation "Horns and Beat" deutlich. Ihr Programm "Adderley" bereitete den Musikern und dem Publikum nicht nur lediglich Spaß, sondern löste uneingeschränkte Begeisterung aus. Lukas Gallati (Trompete, Flügelhorn), Benjamin Engel (Altsaxofon), Wolfgang Eisele (Tenorsaxofon), Stefan Christinger (Baritonsaxofon), Martin Deufel (Schlagzeug) und Uwe Ladwig (Kontrabass-Saxofon – kurz und knapp: Tubax) boten einen Tour-de-force-Ritt durch das großartige Repertoire der 1975 verstorbenen Jazzlegende – kraftvoll, präzise und intensiv. Das Sextett reihte im Laufe des Abends einen Klassiker des modernen Jazz an den anderen und präsentierten diese in eigenen, mitreißenden Arrangements: "Gemini", "Groovy Samba", "This Here", "Jive Samba", "Spontaneous Combustion", "Hi-Fly" – kein Jazz-Fan vermag sich der unwiderstehlichen Attraktivität dieser Kompositionen zu entziehen, denn ihre musikalischen Themen und Melodien sind prägnant, funky, haben Ohrwurmcharakter, swingen und strahlen eine unbändige Energie aus. Zudem erwies sich "Horns And Beat" als wunderbar homogener und groovender Klangkörper. Faszinierend dabei die bunt schillernden Klangfarben der verschiedenen Saxofone: das tief verankerte Tubax, das unentwegt und gemeinsam mit dem präzise swingenden Schlagzeugspiel von Martin Deufel das Fundament legte. Uwe Ladwig spielte sein riesiges Instrument mit einer bewundernswerten Musikalität und Geschmeidigkeit. Dazu gesellte sich das knorrige und doch bewegliche Baritonsaxofon von Stefan Christinger, der in Nat Adderleys "Work Song" einen solistischen Höhepunkt setzte. Als Bindeglied zwischen oben und unten erwies sich Wolfgang Eiseles kraftvoll und expressiv gespieltes Tenor. Selbstbewusst sein Ton und in den Soli jegliche Klischees vermeidend. Abgerundet wurde der Ensembleklang durch Altsaxofon, Trompete und Flügelhorn. In "Poor Butterfly" und "Stars Fell On Alabama" verzauberten Benjamin Engel und Lukas Gallati mit wunderbar lyrischen Soli, in Miles Davis’ "Milestones" erstürmten sie zupackend den Gipfel der Rasanz und Präzision. Bei einem Adderley-Tribute-Konzert darf "Mercy, Mercy, Mercy" nicht fehlen, jene Joe-Zawinul-Komposition, mit der Cannonball 1967 sogar die Top Ten der Pop-Charts stürmte. Sie kam als erste von insgesamt drei prächtigen Zugaben. Und alle Konzertbesucher waren froh, sich an diesem Abend und in diesen unsicheren Zeiten doch auf den Weg ins Zollernschloss gemacht zu haben.

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