Bühne - Ladwig's Dixieland Kapelle

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Bühne

07.03.2017, VON REINER WENDANG (Nürtinger Zeitung) - Ladwigs Dixieland Kapelle spielte zum Frühschoppen im Nürtinger Theater im Schlosskeller

NÜRTINGEN - Die ganze Schlosskeller- und Jazzfrühschoppenfamilie hatte am Sonntag dafür gesorgt, dass kein Platz in Nürtingens legendärem Theaterkeller leer blieb. Wobei zwei exotische Verwandte einer anderen Familie, nämlich der der Saxofone, die Hingucker bei diesem Konzert waren: Alle kennen Alt- und Tenorsaxofone, Besucher von Jazzkonzerten haben schon einmal Sopran- oder Baritonausführungen gesehen und gehört, die nächsten Formen wären Sopranino- und Bassexemplare, die man für gewöhnlich nie zu sehen bekommt, und das Kontrabasssaxofon, von dem es nur wenige gibt.

Uwe Ladwig, der Leiter und Namensgeber von Ladwigs Dixieland Kapelle, einer sympathischen Jazzgruppe vom Bodensee, setzt ein Basssaxofon wunderbar passend ein, meist als Teil der Rhythmusgruppe mit Walking-Basslinien, aber auch als feines Soloinstrument. In der erstgenannten Funktion bildet er eine Einheit mit Lothar Binder an der Gitarre und Martin Deufel am Schlagzeug, in der zweiten Rolle ergänzt er die beiden tollen Solisten Daniel Sernatinger an Tenor- und Sopransaxofon sowie Philipp Rellstab an Trompete und Flügelhorn. Dass alle außer dem Trommler auch immer wieder zum Mikrofon greifen und ganz unprätentiös singen, macht den abwechslungsreichen Ohrenschmaus perfekt.

Die Musiktitel stammen aus der Zeit zwischen New Orleans Jazz und Swing, und dieser Ära entsprechend sind die fünf Herren auch gekleidet. Man kann sich – besonders für einen solchen Frühschoppen – keine bessere Jazzband vorstellen: Schöne bekannte und weniger bekannte Nummern werden in angenehmer Lautstärke geschmackvoll vorgetragen, zum Teil unkonventionell – nicht nur durch des Leaders Bassgerät.

Die beiden, reine Melodieinstrumente spielenden Frontmänner ergänzen und übertreffen sich in immer neuen, ausdrucksstarken Solochorussen, in die hin und wieder auch „Zitate“ eingearbeitet sind. Gitarrist und Schlagzeuger finden Freiräume, um sich solistisch zu präsentieren und vom Leiter, der im Übrigen unterhaltsam durchs Programm führt, war schon die Rede.

In kurzen Texten zwischen den Stücken werden die Zuhörer mit dem Leben des unsteten, genialen Multiinstrumentalisten Adrian Rollini bekannt gemacht, einem der wenigen bekannten Basssaxofonisten der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Interessant ist es zu hören, dass auch schon vor bald hundert Jahren Alkoholbeschränkungen (Prohibition) und Finanzkrisen (Börsencrash) die Karrieren und somit das Leben von Musikern beeinflussten.

Den Besuchern des Schlosskellers fehlte es jedoch an nichts und sie konnten Titel genießen wie: „Ain’t misbehavin“ mit Scatgesangssolo des Gitarristen, „Chinaboy“ mit fulminantem Basssaxofonsolo, „Creole love call“ mit toller Bluesgitarre oder die ineinander verzahnten Soli von Trompete und Sopransaxofon in „I found a new baby“, die harmonischen Begleit-Voicings derselben in „Honey suckle rose“ und das Basssolo in tiefster Lage beim „Tin roof Blues“.

Wunderbar entspannt war auch der Umgang der Musiker mit ihrem Genre, dem Jazz – dem Nürtingen wieder einmal seine Jazztage widmet –, auf der Kellerbühne daran zu erkennen, dass das Solistenamt spielerisch hin und her gereicht wurde, scheinbar spontan der jeweilige Sänger ausgemacht wurde oder die Länge der einzelnen Solodurchgänge von der Spiellaune des Instrumentalisten abhing. Auch die Gesamtspielzeit des Ensembles kollidierte trotz Pausen sicher mit gewerkschaftlichen Bestimmungen und als der Berichterstatter vor den Zugaben das Konzert nach drei Stunden verließ, blickte er nur in zufriedene, begeisterte Gesichter – passend zu dem zu diesem Zeitpunkt gespielten Stück „When you’re smiling“, in dem es weiter heißt „the world smiles with you!“. So kann, so darf, ja so muss es weitergehen – hier im Schlosskeller und in ganz Nürtingen – wenn nicht „jazz“, wann sonst.
 
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